
Wehrbeauftragter beklagt zunehmenden Sexismus in der Bundeswehr
Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Henning Otte (CDU), beklagt einen zunehmenden Sexismus in der Bundeswehr.
Otte betonte, sexualisiertes Fehlverhalten stehe "im klaren Widerspruch" zu den "grundlegenden Werten der Inneren Führung" und müsse "konsequent" geahndet werden. Jeder einzelne Fall sei einer zu viel. Die Bundeswehr verfüge über "klare Regeln und Instrumente" der Dienstaufsicht. Entscheidend sei, dass diese Regeln im Alltag gelebt und durchgesetzt würden.
Am Montag hatte Generalinspekteur Carsten Breuer die Soldaten in einem Tagesbefehl ermahnt, aus dem das RND berichtet. "Respektloses und verletzendes Verhalten hat in unserer Truppe nichts verloren", heißt es darin. Deshalb beobachte er den Umfang der Meldungen zu sexualisiertem Fehlverhalten mit großer Sorge.
Breuer schreibt weiter, das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr arbeite derzeit eine Dunkelfeldstudie aus. Die ersten Ergebnisse erwarte man noch in diesem Jahr. Dem Ergebnis wolle er nicht vorgreifen. Nur so viel: Die Zahl der gemeldeten Fälle sei zu hoch. Es müssten nicht allein die Urheber mit Konsequenzen rechnen. Auch ein "bewusstes Wegschauen oder stillschweigendes Tolerieren" müsse Folgen haben.
Die Zahl der gemeldeten Fälle von Sexismus steigt seit Jahren. 2025 wurden 430 registriert, 2026 wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet. So hat bereits die vorherige Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) eine Dunkelfeldstudie gefordert. Nach dem schweren Skandal um sexuelle Übergriffe, Rechtsextremismus und Drogenmissbrauch am Standort Zweibrücken in Rheinland-Pfalz gewann das Thema neue Brisanz. Dort ging die Bundeswehr bis zuletzt von 59 Beschuldigten aus. Von 21 beantragten Entlassungsverfahren seien mittlerweile 16 vollzogen worden, verlautete es im Frühjahr.
Um genauere Erkenntnisse über das Ausmaß verbaler und physischer Übergriffe zu bekommen, werden im Zuge der Dunkelfeldstudie 50.000 Angehörige der Streitkräfte befragt, darunter alle rund 22.000 Soldatinnen. Ergebnisse sollen bis Weihnachten veröffentlicht werden.





